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Freitag, 2018-11-16

Was sagen die Mitglieder

Anlässlich des 100 jährigen Jubiläums fand eine Mitgliederbefragung statt:

Es ist durchaus üblich, in Festschriften den Jubilar in höchsten Tönen zu loben. Dabei kann man leicht über das Ziel hinausschiessen. Um das zu vermeiden haben wir uns mit einer Umfrage direkt an die Mitglieder gewandt. So hatten wir die Chance, genauere Angaben über die individuelle Einstellung zum Club zu erfahren.

Dabei freute uns einerseits die relativ große Anzahl der Antworten und andererseits die überwiegend positive Beurteilung der Situation "Club", die unsere eigenen Vorstellungen bestätigt.

Einige Mitglieder haben kurz und bündig ihre Meinung in treffenden Schlagworten wie "kameradschaftliches Verhalten" - "jeder hilft jedem" - "guter Teamgeist" - "gute Organisation und gutes Kostenmanagement" - "weiter so!" zu Papier gebracht. Andere dagegen haben recht ausführlich ihre Eindrücke geschildert und kommen letztendlich zum gleichen Ergebnis. Wertvoll waren natürlich auch ein paar kritische Bemerkungen, die auf verbesserungswürdige Situationen hinwiesen. So beherrschen z.B. ältere Clubmitglieder durch langjährige Erfahrung die Gepflogenheiten auf dem Clubgelände und in den Hallen aus dem Effeff und verhalten sich dementsprechend. Von jüngeren bzw. neuen Mitgliedern erwarten sie die gleichen Praktiken, vergessen aber manchmal ihr erarbeitetes Wissen mit vernüftigen und hilfreichen Worten vorher zu vermitteln. Erfreulicherweise handelt es sich dabei um Ausnahmen, sie sollten uns aber zum Nachdenken veranlassen. Auch kam bei einigen Segelkameraden die Angst zum Ausdruck, daß wir ein Verwaltungsverein werden könnten, wenn zu viele Segler nur wegen der günstigen Lagermieten Mitglieder werden. Diese fördern das Clubleben und den damit verbundenen Zusammenhalt auf keinen Fall.

Zu den drei gestellten Fragen möchten wir auszugsweise die Antworten unseres weitgereisten Clubkameraden Werner Horstmann wiedergeben:

Warum wurde der S.C.Oe. ausgewählt?

Als ich die erste Wrigg-Proberunde mit meinem 5,5m Eigen-Ausbau auf dem Alsterkanal in Eppendorf drehte, kam die Wasserschutzpolizei und fragte uns nach dem "Permit" (Erlaubnisschein der britischen Besatzungsmacht); es war im Jahr 1948 zu Ostern. Wir wurden belehrt, dass wie entweder ein "Permit" haben oder in einen Segelverein eintreten müssten. Man empfahl uns den "Hamburger Segelclub".

Meinem Freund und mir schien es damals "unter aller Würde", uns einem Alsterclub anzuschliessen und so ging ich ans Elbufer nach Oevelgönne und fragte dort zwei werkelnde Tischler, wo hier irgendwo ein Segelclub ist. Der eine fragte mich sorgfältig nach dem Wieso und Warum aus und sagte abschließend: "dann komm man zu uns"; es war Hugo Leist, seit 1934 S.C.Oe.-Mitglied.

Was ist das Besondere am S.C.Oe.?

Das Besondere am S.C.Oe. war, daß fast jeder sein Boot mit viel Mühe selbst gebaut oder selbst ausgebaut hat aus heller Begeisterung zum Segelsport; jedes Mitglied war willig und fähig mitzuhelfen, damit ihm das Segeln ermöglicht wurde.

Wie hatten z.B. keine der heute üblichen Bootswagen, sondern nur einen Slipwagen. Wenn ein Boot aufzuslippen war, wurde es von 10 bis 15 Mann vom Slipwagen herunter seitlich zum vorgesehenen Schuppenplatz "bewegt" - auch Kielschiffe.

Ich erinnere mich noch, wie wir Walter Kaufmanns "Antje", ein schweres, eichenes Kielschiff von 8m Länge, seitlich versetzten. Zwei Mann an jeder Seite hielten mit Pallhölzern "verschlag" und weitere 8 an jeder Seite hoben das Boot wechselseitig vorne und achtern mit lautem "hau-ruck!" an. Dabei schob sich das Boot 10 oder 20cm weiter in die vorgesehene Richtung. Plötzlich brach der vordere Balken auf dem das Boot stand. "Alle wegggg"!!!! Wir spritzten weg, das Boot neigte sich langsam und fiel seitlich mit dem Bauch auf ein Pallholz -.

Einer unserer Alten, Richard Jorjan oder "Etzel" oder vielleicht auch Hans Kunau nahm Karlchen Köster (16), der mit den anderen "verschlag" gehalten hatte in den Arm und sagte "Du hättest aber Prügel gekriegt, wenn Du drunter gekommen wärest".

Der Bauch der Antje war 5cm eingedrückt oder sogar etwas mehr.

Mit 20 Mann wurde das Boot wieder aufgerichtet und abgepallt. Nanu?? Alle staunten wir, denn es war keine Einbuchtung mehr zu sehen, die zölligen Planken hatten ihren alten Sprung und waren unbeschädigt. Nur im Boot war ein gesägter Spant gebrochen und ein kleiner Schrank eingedrückt worden.

Worin unterscheidet sich der S.C.Oe. von anderen Vereinen?

Auf meinen Reisen habe ich viele Clubs kennengelernt, in Holland, Belgien, Frankreich, England, Spanien, auf den Kanaren, in Brasilien und in Argentinien.

Der S.C.Oe. ist herausragend durch die Größe und Qualität der Bootslagerung. Diese wurde in einer deutlich kargeren Zeit als heute erstellt und das von Mitgliedern, die vielfach mit Fahrrädern und öffentlichen Verkehrsmitteln zum Clubgelände nach Waltershof kamen.

Zusammenfassend stellen wir fest, daß sich die Clubkameraden in der fast familiär wirkenden Gemeinschaft wohl fühlen. Sie heben hervor, daß das Hobby im Vordergrund steht und nicht das Reglementieren von Nebensächlichkeiten und daß jedes Mitglied unabhängig von Stellung, Einkommen und Schiffsgröße gleich behandelt wird.

Auch wurde positiv angesprochen, daß es seit eh und je einige Originale gibt, die wie das Salz in der Suppe wirken. Sie würzen das Clubleben, bringen machchmal Aufregung in die Monatsversammlungen, konnten dem S.C.Oe. bisher aber zum Glück nie die Suppe versalzen. In diesem Sinne spiegeln sich auch die Antworten auf die Frage nach der Zukunft des S.C.Oe. wider.

Generell wünschen sich die Clubkameraden, daß die Maxime beibehalten wird: "Wir wollen durch Eigenarbeit und sorgsamen Umgang mit den Beitragsgeldern dem 'kleinen Mann' die Ausübung des Segelsports ermöglichen". Trotzdem sollte unter Beibehaltung dieses Grundsatzes immer Offenheit für neue Entwicklungen, vor allem auf den Gebieten der Jugendarbeit und des Regattasegelns gepflegt werden.

Es gibt ein bekanntes Sprichwort: "Was Du ererb'st von Deinen Vätern, erhalt' es, um es zu besitzen". Wir richten uns danach.